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Die Anfänge Lindens

Merian - Stich, Blick vom  Lindener Berg, um 1654
Merian - Stich, Blick vom Lindener Berg, um 1654
Der Name "Linden" kommt von einer alten Gerichtsstätte, die im Mittelalter etwa am heutigen "Schwarzen Bären" gelegen hat - von Linden-Bäumen umgeben. Damals war Linden tatsächlich noch ein dörfliches Idyll vor den Toren Hannovers.

1115 wird Linden das erste Mal urkundlich erwähnt. Der alte, bäuerlich geprägte Kern des Dorfes lag am Fuße des Lindener Berges - etwa wo die Martinskirche steht. Es gehörte in den Anfängen den Grafen von Schwalenberg und dann den Grafen von Roden. Eigentlich wichtiger war aber die seit dem 13. Jahrhundert ansässige Ritterfamilie von Alten, die große Ländereien und Teile der Gerichtsbarkeit in Linden erhielt. Damals wurde der Lindener Berg als Rohstoffquelle genutzt, wurden insbesondere in Steinbrüchen die Steine z.B. für die damalige Stadtmauer Hannovers abgebaut. Mit diesen Arbeiten verdienten einige Lindener ihr karges Geld, ansonsten waren die meisten BewohnerInnen unfreie Bauern, abhängig von den Guts- und Grundherren und diesen zu Zwangsarbeiten und -abgaben verpflichtet.

Über die Ihme führte eine Holzbrücke (am heutigen Schwarzen Bären) nach Hannover, das damals schon eine Stadt war.

Ab Mitte des 17.Jahrhunderts traten dann größere Veränderungen ein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Linden besetzt, da Hannover durch die Stadtmauern geschützt war: die Heere nutzten den Lindener Berg als strategischen Punkt.

Die Welfen-Herzöge von Braunschweig und Lüneburg hatten im 30-jährigen Krieg Hannover als Residenzstadt ausgewählt und legten Mitte des Jahrhunderts einen großen Lust- und Küchengarten für den Hof an: zwischen heutiger Fössestraße und Lichtenbergplatz. Dieser wurde auch bis 1866 genutzt. Heute erinnert daran z.B. noch der Name Küchengartenstraße und -platz.

Lindener Mühle
Lindener Mühle
Nach den Verwüstungen des Krieges wurde der Ort allmählich wieder aufgebaut, nun allerdings mehr zur Ihme hin. Die Einwohnerzahl stieg von 207 (1664) auf 1.177 im Jahr 1776 an.

Ungefähr 1650 wurde die Mühle auf dem Lindener Berg Zwangsmühle. Die Ihme wurde durch die Zuführung von Leinewasser (Schneller Graben) schiffbar. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Stapelplatz für die Schifffahrt nach Hannover nach Linden – da, wo heute das Ihmezentrum steht - verlegt und dort ein 5-geschossiges Speichergebäude gebaut. Die alte Holzbrücke wurde gegen 1700 durch eine Steinbrücke ersetzt, die 1910 dann von einer Stahlbrücke abgelöst wurde.

1688 verkauften die verarmten von Alten ihre Rechte und Ländereien an den Oberhofmarschall Graf Ernst Franz von Platen (1632 - 1709). Dieser legte einen großen Garten (heute von-Alten-Garten) im Stile des Herrenhäuser Gartens an und baute darauf ein Schloss (im 2. Weltkrieg zerstört). Die Gartenanlage wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einem englischen Garten umgestaltet. Als Herzog Ernst August 1692 den Kurfürstentitel erhielt, wurde von Platen einer der einflussreichsten Männer auch in Hannover.

Linden wuchs durch den aufwendigen gräflichen Haushalt. Der Hof wurde zum großen Wirtschaftshof mit Brauhaus (Brauhofstraße), Ziegelei und Ölmühle ausgebaut. Zudem wurden eine Poststation und eine Wachsbleiche angelegt.

Um 1700 baute von Platen dann die Weberstraße mit 31 Häusern für LeineweberInnen. Die alte Dorfgemeinde Linden grenzte sich von diesem Teil ab, so dass es bis Mitte des 19. Jahrhunderts dann ein Alt- und ein Neu-Linden (in etwa Linden-Süd) gab.

Weberstraße 25 und 26
Weberstraße 25 und 26
Für Linden nicht ohne Bedeutung war, dass aufgrund von Veränderungen in der Erbfolge des englischen Königshauses ab 1714 (bis 1837) der hannoversche Kurfürst (später auch der hannoversche König) in Personalunion gleichzeitig König von England wurde. Dies bewirkte einen erheblichen Bedeutungszuwachs und Wirtschaftsaufschwung Hannovers, der auch nach Linden übergriff.

Die Ära von Platen endete 1816, als die von Alten ihre Wiederkaufsrechte durchsetzen konnten, ihr altes Gelände übernahmen und von Platens daraufhin aus Linden wegzogen.