Quartier e.V.

  

Eingemeindung, Weimarer Zeit, Nationalsozialismus

Hanomag, Klein-Rumänien, um 1920
Hanomag, Klein-Rumänien, um 1920
Natürlich litt die Bevölkerung auch in Linden durch den Krieg, verlor viele Männer an der Front. Die Frauen mussten noch mehr als ohnehin schon in den Fabriken mitarbeiten. Während die Textil- und Gummiindustrie unter Rohstoffmangel zu leiden hatten, wurde etwa bei Körting und der Hanomag "aufgerüstet" für Motoren, Kanonen oder Munition. Unter den Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln hatten vorwiegend Verwundete und Kinder zu leiden. Zu essen gab es, wenn überhaupt, vor allem Steckrüben.

Am Kriegsende griff der Marineaufstand nur kurz nach Hannover über. Der Sozialdemokrat Robert Leinert wurde dort Stadtdirektor. Unter seinem Einfluss gelang es dann (weiterhin gegen den Widerstand der Konservativen in Hannover: "gesunder hannoverscher Egoismus"), dass ein in Linden einstimmig angenommener Eingemeindungsbeschluss in Hannover eine knappe Mehrheit erhielt. Seit dem 1.1.1920 ist Linden also ein Stadtteil von Hannover.

Hotel Zum Schwarzen Bären
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Die Nachkriegszeit war auch in Linden bestimmt durch Inflation und Massenarbeitslosigkeit. Einige der "Traditionsfabriken" mussten zwischenzeitlich schließen, einige verschwanden ganz (z.B. die Mittelland-Gummiwerke). Die Mechanische Weberei erlebte Mitte der 20er Jahre aufgrund einer Monopolstellung ein kurzes Hoch, erlitt dann aber starke Einbußen, da in der wirtschaftlichen Krisensituation Samt nicht mehr gekauft werden konnte. Der Baumwollspinnerei erging es noch schlechter. 1929 wurde der Betrieb geschlossen. Die Hanomag führte das Fließband ein und produzierte jetzt auch Autos, z.B. das sogenannte "Kommißbrot", ein Kleinstauto und eine Art Vorgänger vom Volkswagen.

Linden blieb nach wie vor ein sehr lebendiger Stadtteil, politisch dominiert von der SPD. USPD (Unabhängige) oder KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) hatten relativ wenig Bedeutung erlangen können. Wichtig waren die vielen Schutzorganisationen der Arbeiter, die sich regelrechte Straßenschlachten mit den in Linden nicht geduldeten Nationalsozialisten lieferten. Provokationen der Nazis konnten oft nur unter Polizeischutz durchgeführt werden (etwa die "Eroberung" des Arbeitertreffs Posthorn im roten Linden).

Gegen Ende der Weimarer Zeit wurden dann von enttäuschten Linken einige kleine Parteien und Organisationen gegründet, die massiveren Widerstand gegen die aufkommenden Nationalsozialisten forderten. Dazu gehörte auch die "Sozialistische Front", die der SPD-Funktionär Werner Blumenberg gründete und auf ein Leben im Widerstand vorbereitete.

Noch 1933 gab es einige Aktionen gegen die Nazis. Aber es liefen auch die ersten Verhaftungswellen gegen Arbeiterfunktionäre, anfangs insbes. von der KPD. Die Sozialistische Front versuchte - unter Lebensgefahr - mit den "Sozialistischen Blättern" Aufklärung und Information über die Nazis zu verbreiten. Trotz vieler Schutzmaßnahmen konnte durch einen Spitzel 1936 die Sozialistische Front zerschlagen werden. Werner Blumenberg konnte entkommen, andere Funktionäre kamen in Zuchthaus und Konzentrationslager, einige wurden dort ermordet (etwa Wilhelm Bluhm). An vielen Stellen in Linden waren Lager für ZwangsarbeiterInnen, die in den Fabriken arbeiten mussten. In der Hanomag wurden auch KZ-Häftlinge vom Mühlenberg eingesetzt.

Auch wenn es noch versteckte Aktionen wie Hilfen für Häftlinge gab, effektiver Widerstand war nicht mehr möglich. Obwohl die Nazis in Linden keine Basis hatten, blieb es nicht aus, dass einige in die Partei eintraten, entweder aus Überzeugung oder aus Not.

Insbesondere ab Oktober 1943 wurde Hannover bombardiert. Linden blieb dabei nicht verschont von Bomben, aber diese fielen bei weitem nicht so massiv wie etwa in der Innenstadt Hannovers. Dadurch blieben die meisten der Wohnhäuser auch stehen, viele Fabriken wurden jedoch stark zerstört und in der Nachkriegszeit nur teilweise wieder aufgebaut.