Quartier e.V.

  

Anmerkungen zur Geschichte Limmers

Jacobus Sackman
Jacobus Sackman
Das kleine Dorf Limmer wird urkundlich erstmalig 1189 erwähnt. Damals besaß Graf Conrad I von Roden die Burg Limbere. Sie lag wohl in der Leineniederung am heutigen Leinewehr.

Der Name Limmer kommt vermutlich von "Lehmberg", weil in der Tat hier Lehm zu finden war. In eine ähnliche Richtung gehen neue Untersuchungen: "Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover". Demzufolge war mit Limmer ursprünglich eine "feuchte, glitschige Stelle" gemeint. Die Burg verfiel im Laufe der Jahrhunderte nachdem die Grafen nach Wunstorf umgesiedelt waren. Im Umfeld der kleinen Kirche lebten vorwiegend Bauern, Fischer und Handwerker. 1689 lebten 167 Personen in Limmer, 1825 bereits 365 und 1871 dann über 1.100.

Limmer war ein weitgehend unauffälliges Dorf, spektakulär jedoch und auch sehr weit bekannt durch das Wirken von Jacobus Sackman, der von 1685 bis 1718 als Pastor in der St. Nikolai-Kirche tätig war. Gefürchtet bei den "Herrschaften" und beliebt beim Volk waren seine Predigten, in denen er sich auch schon mal über den Adel her machte. Kurfürstin Sophie hat 1710 "von hertzen gelacht über die schöne predigt vom dorfpfaff". Erneut bekannt wurde Limmer dann gegen Ende des Jahrhunderts durch die Entdeckung der Schwefelquellen am Limmer-Holz. So wurde dann 1794 ein Heilbadebetrieb am Limmerbrunnen eröffnet.

Kurze Zeit später hält auch hier die Industrialisierung Einzug. Der Ort hat sich dadurch baulich stark verändert. Die Wohn- und Arbeitssituation war nicht besser als in Linden, die soziale Not führte dazu, dass Kinder in "Rettungshäusern" untergebracht werden mußten.

Die wichtigste Fabriken war die Hannoversche Gummi-Kamm-Fabrik, seit 1899 mit Sitz in Limmer. Dort arbeiteten anfangs 1.100 Beschäftigte. 1912 waren es schon 3.500 Beschäftigte im nun unter dem Namen Excelsior laufenden Werk. 1928 fusionierte man mit der Continental Gummi-Werke AG. 1989 hatte der Betrieb noch über
2.000 Mitarbeiter. Das Werk hat hier inzwischen den Betrieb aufgegeben und ist ganz nach Stöcken verlagert worden. Ein weiterer größerer Betrieb war die Firma Conrad Engelke. Anfangs wurden hier vor allem Straßenkessel und Asphaltiergeräte produziert, später wurde die Produktpalette aber stark erweitert. 1891 verlegte ein anderes großes Unternehmen, die Wäschereinigungsfirma Stichweh, seinen Sitz nach Limmer. Noch heute hat Stichweh hier seinen Sitz, besaß 1989 über 116 Filialen im Großraum Hannover und verfügte über 450 Mitarbeiter. 1896 kam dann die Tapetenkleisterfabrik Sichel dazu. Als die Firma 100jähriges Jubiläum feierte, waren hier ca. 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Zum 1.4.1909 wurde Limmer von der Stadt Linden eingemeindet und zusammen mit Linden dann 1920 ein Stadtteil von Hannover. Alleine schon durch die Beschäftigungsmöglichkeiten in diesen Betrieben war der Ort weiter gewachsen. Im Jahr 1900 lebten 3.672 EinwohnerInnen in Limmer, 1939 dann 7.392 und 1952 sogar 10.037. Danach verlor Limmer jedoch, wie auch Linden, wieder EinwohnerInnen, so daß es 1987 nur noch 6.533 waren, darunter 851 AusländerInnen.

Im Faschismus befand sich 1944/45 ein Arbeitslager des KZ Neuengamme auf dem Contigelände. Kurz vor Kriegsende wurden die Gefangenen, überwiegend Frauen, nach Bergen-Belsen deportiert. Seit 1987 erinnert am Stockhardtweg ein Denkmal an diese Zeit.

Wie lebendig es in der Nachkriegszeit im heute eher beschaulichen Limmer mal war, belegen folgende Angaben aus dem Jahr 1950: 9 Bäckereien, 4 Fleischereien, 36 Lebensmittelgeschäfte, 10 Obst- und Gemüseläden, 6 Milchgeschäfte, 3 Drogerien, 10 Tabakläden und 20 Schank- und Speisewirtschaften.

1957 wird an der Liepmannstraße das Fössebad eingeweiht, 1961 der Badebetrieb im Limmerbrunnen eingestellt, 1962 das Schulzentrum Fössefeld eröffnet und 1967 an der Wunstorfer Straße die damalige Pädagogische Hochschule fertiggestellt.

Nach Beendigung der Sanierung in Linden-Süd sollte dann Limmer Sanierungsgebiet werden, um den Stadtteil wieder attraktiver gestalten zu können. Dies scheiterte dann aus finanziellen Gründen. Ausgeprägt ist nach wie vor das starke Vereinsleben im Stadtteil, etwa der Wassersport, wohl auch bedingt durch die beiden Bäder, neben dem Fössebad gibt es ja noch das Volksbad, und die Kanäle an Leine und Lindener Hafen. Mit Waspo Linden und dem Kanu-Club Limmer sowie Victoria Linden residieren einige der erfolgreichsten Sportvereine Hannovers in Limmer. Fußball-, Schützen-, Gesangs- und Kleingartenvereine runden das Bild ab.

Mit der Angliederung eines Kulturtreffs an die Schule wurde der Kastanienhof zu einem kleinen Kulturzentrum für den Stadtteil.

Im Jahr 2001 ist das Gebiet um die Wunstorfer Straße im zweiten Anlauf dann doch noch städtebauliches Sanierungsgebiet geworden. Neben der Sperrung und Umgestaltung der Wunstorfer Straße ist derzeit auch noch die Umnutzung des Conti-Geländes eines der wesentlichen Themen in Limmer.

Im Volksmund sind folgende Reime bekannt, die gelegentlich Jacobus Sackmann zugeschrieben werden, aber aus späteren Zeiten stammen:

"In Limmer wird’s alle Tage schlimmer; .... In Linnen is nix tau finden – Und: In Hannover Hebbet se ok nix over."

Jonny Peter

Grundlage dieses Aufsatzes ist die sehr gute Broschüre von 1989: "800 Jahre Limmer" der AGLV Limmer und hier insbesondere die Aufsätze von Ulrich Schweingel, Werner Müller und Hans Werner Dannowski.