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Linden auf dem Weg zur Industrialisierung

Johann Egestorff
Johann Egestorff
Das Kurfürstentum Hannover war noch ein Agrarland und wirtschaftlich unterentwickelt. Linden bestand um 1800 weitgehend aus Bauernhöfen sowie der Schlossanlage und dem Küchengarten. Die Anfänge der Industrie brachte Johann Egestorff (1772-1834), der 1803 die Kalkbrennerei auf dem Lindener Berg übernahm, in den Holz- und Steinkohlehandel (Steinkohle aus dem Deister) einstieg, neue Technologien aus Frankreich einführte und so bald zum größten Unternehmer in der Gegend aufstieg.

Die Franzosen, die unter Napoleon eine Zeit lang Hannover besetzten, brachten einige Reformen; diese wurden aber nach der Niederlage Napoleons wieder rückgängig gemacht. Zudem wurde auf dem Wiener Kongreß Hannover zum Königreich erklärt (von 1815 – 1866, gebietsmäßig in etwa dem heutigen Niedersachsen ohne Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg entsprechend). Durch den Ausbau Hannovers profitierte auch Egestorff und damit Linden. In den folgenden Jahren gründeten sich weitere - meistens kleine - Unternehmen: z.B. eine Brennerei, Lohgerberei, Ofenfabrik, Essigfabrik, Stärkefabrik und einige Fuhrunternehmen (oft ehemalige Kleinbauern). Dabei befand Linden sich in der Bannmeile Hannovers, unterlag also Beschränkungen in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Prägend war aber Anfang des letzten Jahrhunderts trotz allem noch der dörfliche Charakter. Für eine kurze Zeit war Linden sogar so etwas wie der Villenvorort (das "Westend") von Hannover: Hannoversche Bürger und Adlige legten an der Ihme ihre Villen und Landhäuser an. Zum idyllischen Ort kam als weitere Attraktion seit 1825 das vom hannoverschen Hofbaumeister Laves für Egestorff angelegte Berggasthaus auf dem Lindener Berg dazu (abgerissen 1878 für den Wasserhochbehälter), so dass das Dorf Linden "ohne Frage das erste und schönste Dorf im ganzen Königreiche" war.

Die Revolutionen von 1830/1831 und 1848/1849 fanden in Linden praktisch nicht statt, Unruhen gab es lediglich in Hannover. Wichtig war allerdings die sogenannte Bauernbefreiung (Befreiung von der Leibeigenschaft) mit der Ablösung der Abgaben und der Privatisierung der Gemeinschaftsflächen sowie der Verkoppelung (Neugliederung des Bodens). Der Verkoppelungsplan von 1839 legte das Straßennetz bzw. die Straßenplanung fest. Viele Kleinbauern versuchten, in der aufblühenden Industrie zu arbeiten. Die Industrialisierung begann.